GmbH gründen

GmbH gründen Kosten Österreich: Was kostet es?

Was kostet die GmbH-Gründung in Österreich wirklich? Notar, Firmenbuch, Stammkapital, laufende Kosten. Mit detaillierter Aufstellung und Praxisbeispielen.

Von Redaktion basis0811 min LesezeitStand: April 2026

„Was kostet eine GmbH in Österreich?" ist eine der häufigsten Fragen vor der ersten Gründung, und gleichzeitig eine der schwierigsten zu beantworten, weil sie zwei sehr unterschiedliche Dinge meint: die einmaligen Gründungskosten und die laufenden Fixkosten der ersten zwölf Monate. Beide muss man kennen, sonst plant man falsch.

Dieser Leitfaden gibt eine realistische Aufstellung beider Posten, mit konkreten Zahlen für Wien und den Bundesländern.

Einmalige Kosten der GmbH-Gründung

PositionKlassische GmbHVereinfachte E-GmbH
Notar (Beurkundung Gesellschaftsvertrag)800–1.500 €entfällt
Notar (Beglaubigungen, Auszüge)100–250 €0 €
Firmenbuchgebührca. 230 €ca. 100 €
Eintragungsgebühr (Justizverwaltungsabgabe)ca. 200 €ca. 80 €
Strafregisterauszug Geschäftsführer20 €20 €
Bareinlage Stammkapital (zurückzahlbar)5.000 €5.000 €
Bankgebühren Konto-Eröffnung0–80 €0–80 €
Steuerberater (Gründungsberatung optional)0–800 €0–400 €
WKO-Grundumlage (erstes Jahr nach Befreiung)0 €0 €
Gewerbeanmeldung pro Gewerbeca. 60 €ca. 60 €
Virtueller Firmensitz (Setup)0–150 €0–150 €
Summe einmalig (ohne Stammkapital)1.410–3.290 €320–890 €

Wer realistisch plant, sollte mit rund 2.500 € einmaligen Kosten für die klassische GmbH-Gründung rechnen, plus die 5.000 € Bareinlage des Stammkapitals (die als Eigenkapital in der GmbH bleibt und für den Geschäftsbetrieb verfügbar ist). Bei der vereinfachten elektronischen Einpersonen-Gründung über USP.gv.at fallen die Notarkosten weg, dafür ist der Anwendungsbereich auf einfachere Fälle beschränkt.

Laufende Kosten der ersten zwölf Monate

Die wirklich wichtigere Zahl ist die monatliche Fixkostenbasis, weil sie die Liquiditätsplanung bestimmt.

PositionPro MonatPro Jahr
Steuerberater (kleine GmbH, Pauschale)150–300 €1.800–3.600 €
SVS-Beiträge Geschäftsführer (Mindest)ca. 200 €ca. 2.400 €
Geschäftskonto5–25 €60–300 €
Virtueller Firmensitz oder Coworking30–250 €360–3.000 €
WKO-Grundumlage (ab Jahr 2 oder ohne Befreiung)ca. 8 €ca. 100 €
Buchhaltungssoftware oder ProSaldo10–40 €120–480 €
Mindest-KöSt (anteilig erstes Jahr)ca. 42 €ca. 500 €
Versicherungen (Berufshaftpflicht, Cyber)30–120 €360–1.440 €
Summe laufend pro Monat475–985 €5.700–11.820 €

In den ersten zwölf Monaten kosten Standardstrukturen einer Einpersonen-GmbH also rund 6.000–12.000 € an reiner Fixkostenbasis, ohne Marketing, ohne Personal, ohne Tools. Wer die GmbH ohne Gehalt für den Geschäftsführer-Gesellschafter führt (üblich in der Frühphase), trägt diese Kosten direkt aus dem Stammkapital oder aus eigenen Reserven.

Praxisbeispiel: Solo-SaaS-Gründerin in Wien

Eine Wiener Software-Entwicklerin gründet eine Einpersonen-GmbH für ihr SaaS-Produkt. Sie wählt die klassische Gründung mit Notar (weil sie später mit einem Co-Founder rechnet und einen flexibleren Vertrag will).

Einmalig:

  • Notar Wien: 1.300 €
  • Firmenbuchgebühr + JVA: 430 €
  • Strafregisterauszug + Beglaubigungen: 50 €
  • Geschäftskonto Setup: 0 €
  • Virtueller Firmensitz Wien Setup: 0 €
  • Gewerbeanmeldung 2 freie Gewerbe: 120 €
  • Summe einmalig: 1.900 €
  • Plus Bareinlage Stammkapital: 5.000 €

Laufend pro Monat:

  • Steuerberater pauschal: 200 €
  • SVS-Beitrag: 200 €
  • Geschäftskonto: 12 €
  • Virtueller Firmensitz: 49 €
  • Berufshaftpflicht IT: 60 €
  • Buchhaltungssoftware: 25 €
  • Mindest-KöSt anteilig: 42 €
  • Summe pro Monat: 588 €
  • Summe Jahr 1: rund 7.060 €

Ihre realistische Gesamtbelastung im ersten Jahr (Gründung + Betrieb): rund 9.000 € einmalige Kosten plus Fixkosten, wobei 5.000 € als Eigenkapital in der GmbH bleiben und für den Betrieb verfügbar sind.

Wo man wirklich sparen kann (und wo nicht)

Sparen sinnvoll:

  • Vereinfachte elektronische Gründung statt Notar, falls Einpersonen-GmbH passt. Spart 800–1.500 €.
  • Virtueller Firmensitz statt eigener Bürofläche. Spart Hunderte bis Tausende pro Jahr.
  • Buchhaltungssoftware mit Steuerberater-Anbindung (zum Beispiel BMD oder ProSaldo) statt voll outgesourcter Buchhaltung. Erfordert kaufmännische Vorkenntnisse, kann aber 100–200 € pro Monat sparen.
  • Grundumlagen-Befreiung in den ersten Jahren beantragen. Spart 50–250 € pro Jahr.

Sparen meist falsch verstanden:

  • Auf Steuerberater verzichten: führt fast immer zu Korrekturen, Strafen oder verpasten Optimierungsmöglichkeiten, die mehr kosten als das gesparte Honorar.
  • Auf Versicherungen verzichten: Eine einzige Schadenersatzklage in der IT- oder Beratungsbranche übersteigt die Berufshaftpflicht-Prämie um ein Vielfaches.
  • Stammkapital nur „auf dem Papier" einzahlen: rechtlich heikel und gilt als verdeckte Einlagenrückgewähr, mit massiven Konsequenzen.

Häufige Fragen

Wie viel muss ich als Gründer wirklich aus eigener Tasche aufbringen?

Realistisch zwischen 8.000 und 12.000 € für Gründungskosten plus Fixkosten der ersten sechs Monate, bevor die ersten Einnahmen kommen. Davon sind 5.000 € Stammkapital als Eigenkapital in der GmbH gebunden, der Rest ist „verbrannt" für Notar, Steuerberater, SVS und Infrastruktur.

Ist die GmbH teurer als ein Einzelunternehmen?

Ja, deutlich. Ein Einzelunternehmen kostet rund 60 € Gewerbeanmeldung und keinen Notar, dafür haftet die Inhaberin persönlich mit dem gesamten Privatvermögen. Wer ein Geschäft mit nennenswertem Risiko betreibt, ein Team aufbauen will oder Investoren ansprechen möchte, kommt langfristig nicht um die GmbH herum.

Was kostet die FlexCo im Vergleich?

Eine FlexCo kostet bei der Gründung typischerweise 300–800 € mehr als eine Standard-GmbH, weil der Gesellschaftsvertrag komplexer ist (UWA-Klassen, stimmrechtslose Anteile). Laufend ist sie identisch teuer. Mehr im FlexCo-Leitfaden.

Bekomme ich das Stammkapital zurück, wenn ich die GmbH wieder auflöse?

Bei einer geordneten Liquidation: ja, soweit nach Tilgung aller Verbindlichkeiten noch Vermögen übrig ist. Die Liquidation dauert mindestens ein Jahr (Sperrjahr) und kostet weitere 2.000–5.000 € an Notar- und Steuerberaterkosten.

Muss ich SVS auch zahlen, wenn die GmbH noch keinen Umsatz macht?

Ja. Die SVS-Beitragspflicht entsteht mit der Übernahme der Geschäftsführung, nicht mit den ersten Einnahmen. Mindestbeiträge ab rund 200 € pro Monat sind unabhängig vom tatsächlichen Verdienst zu zahlen. Mehr dazu im Steuern-Leitfaden.

Kann ich die Gründungskosten steuerlich absetzen?

Ja, die Gründungskosten sind in der Regel als Betriebsausgaben oder über die Steuererklärung als Aufwand absetzbar. Notar- und Beratungskosten sind sofort abzugsfähig. Stammkapital ist Eigenkapital und nicht abzugsfähig (es wird auch nicht versteuert).

Quellen und weiterführende Information

Vertiefend bei basis08: