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FFG-Förderung für Startups: Basisprogramm & Co.

Die FFG fördert F&E-Projekte österreichischer Startups mit bis zu 50 %. Welche Programme passen, wie die Antragsrealität aussieht, was zur aws anders ist.

Von Redaktion basis0811 min LesezeitStand: April 2026

Während die aws die wirtschaftliche Förderung in Österreich abdeckt, ist die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) die zentrale Anlaufstelle für F&E-intensive Vorhaben. Ihr wichtigster Hebel ist das Basisprogramm: ein offenes, themenneutrales Förderinstrument, das Forschung und Entwicklung in jeder Branche unterstützt. Für Startups mit echtem Technologie-Anteil ist die FFG häufig der bessere Hebel als die aws, weil die Förderquote höher und das Verfahren weniger jurybasiert ist.

Dieser Leitfaden zeigt die wichtigsten FFG-Programme für Startups, die Antragsrealität und die Unterschiede zur aws.

Die wichtigsten FFG-Programme für Startups

Basisprogramm

Das Basisprogramm ist das größte und offenste Förderinstrument der FFG. Es fördert F&E-Projekte unabhängig von Thema oder Branche, vorausgesetzt der Innovationsgrad und das Marktpotenzial sind nachweisbar.

  • Förderquote: bis zu 50 % der förderfähigen Kosten (KMU mit Innovationsbezug bekommen oft 35–45 %)
  • Fördersumme: keine harte Obergrenze, üblich sind Projekte zwischen 100.000 € und 2 Mio. €
  • Förderform: Mischung aus nicht rückzahlbarem Zuschuss (typisch 30–50 %) und zinsbegünstigtem Förderdarlehen
  • Erfolgsquote: rund 35–45 % über alle Einreichungen

Frontrunner

Frontrunner richtet sich an etablierte KMUs und Startups mit ambitionierten Wachstumsplänen, die ihre Marktposition durch F&E ausbauen wollen. Höhere Fördersummen, höherer Anspruch an Vorbereitung.

Themenspezifische Calls

Die FFG schreibt regelmäßig themenspezifische Calls aus, z. B. zu Klimaschutz, Mobilität, Digitalisierung, KI, Cybersecurity, Quantum, Bioökonomie. Förderquoten und Fristen variieren, oft sind die Erfolgsquoten in spezifischen Calls höher als im Basisprogramm.

COMET (Kompetenzzentren)

COMET ist ein langjähriges Programm zur Förderung von Forschungsclustern, in denen Universitäten, Industrie und Startups zusammenarbeiten. Für Startups indirekt relevant: Die Beteiligung an einem COMET-Zentrum kann Türen öffnen.

Was die FFG fördert (und was nicht)

Förderfähig sind typischerweise:

  • Personalkosten von F&E-Mitarbeitern (Forscher, Entwicklerinnen, Techniker)
  • Externe F&E-Leistungen (Universitäten, Forschungsinstitute, Sub-Unternehmer)
  • Materialkosten für Prototypenbau
  • Investitionen in F&E-Infrastruktur
  • Reisekosten zu wissenschaftlichen Konferenzen
  • Schutzrechtskosten (Patente)

Nicht förderfähig:

  • Vertrieb und Marketing
  • Allgemeine Verwaltung
  • Steuern
  • Repräsentationskosten
  • Kosten für die reine Markteinführung

Die Trennung zwischen F&E und Vertrieb ist nicht immer trivial. Wer ein SaaS-Startup mit eigenem ML-Modell baut, kann die ML-Forschung als F&E deklarieren, das Frontend hingegen nur teilweise. Die FFG-Berater helfen bei der Abgrenzung.

FFG vs. aws: Wann was?

MerkmalFFG Basisprogrammaws Preseed
FokusF&E mit InnovationsgradWirtschaftliche Frühphase
Förderquotebis 50 %Zuschuss bis 200k (DT 800k)
FörderformZuschuss + zinsbegünstigtes Darlehennicht rückzahlbarer Zuschuss
Eigenanteil50 %20 %
Erfolgsquote35–45 %20–30 %
Verfahrensdauer3–6 Monate4–6 Monate
VerfahrenGutachterprüfung, themenneutralJury, innovationsorientiert
Geeignet fürTech mit echtem F&E-KernFrühphase mit Innovation

Die wichtigste Faustregel: Wer echte Forschung und Entwicklung macht (eigene Algorithmen, neue Materialien, neue Verfahren), ist beim FFG meist besser aufgehoben. Wer eine innovative Geschäftsidee mit Standardtechnologie umsetzt, eher bei der aws. Viele Startups kombinieren beide.

Praxisbeispiel: FFG Basisprogramm für ein Sensor-Startup

Ein Grazer Climate-Tech-Startup entwickelt einen neuartigen Sensor zur Echtzeit-Messung von industriellen Methan-Emissionen. Sie planen ein 24-monatiges F&E-Projekt mit einem Gesamtbudget von 800.000 €, das die Sensor-Hardware, das ML-Modell zur Datenauswertung und die Pilotinstallation in zwei Industriebetrieben abdeckt.

  • Beantragung: 6 Wochen Vorbereitung, davon 2 Wochen mit FFG-Coach im Vorgespräch
  • Förderquote: 45 % (KMU-Bonus + Innovationsbonus)
  • Förderzusage: 360.000 € (200.000 € Zuschuss + 160.000 € zinsbegünstigtes Darlehen über 6 Jahre)
  • Eigenanteil: 440.000 € aus Eigenkapital, einer Pre-Seed-Runde und einem Industriepartnerbeitrag
  • Verfahrensdauer: 4 Monate von Einreichung bis Zusage
  • Auszahlung: tranchenweise nach Quartalsberichten

Mit 360.000 € Förderung kann das Team zwei Senior Engineers für 24 Monate finanzieren, ohne weitere Equity-Verwässerung. Das Darlehen ist zwar rückzahlbar, aber der Zinssatz liegt deutlich unter Marktniveau.

Antragsprozess Schritt für Schritt

  1. Themen-Check: Passt das Vorhaben überhaupt in ein FFG-Programm? Entweder via Online-Tool oder telefonische FFG-Sprechstunde (kostenlos).
  2. Beratungsgespräch: Persönliches Gespräch mit FFG-Programmverantwortlichen. Sehr empfehlenswert, weil hier konkrete Hinweise zur Antragsschärfung kommen.
  3. Antragsstellung: Über das eCall-Portal der FFG. Strukturierter Businessplan, F&E-Plan, Budgetplan, Personalplan, Verwertungsplan.
  4. Formalprüfung: Die FFG prüft Vollständigkeit und formale Korrektheit. Dauert wenige Tage.
  5. Inhaltliche Begutachtung: Externe Fachgutachter prüfen den Innovationsgrad, die wissenschaftliche Qualität und die Marktrelevanz. Dauert 6–10 Wochen.
  6. Förderzusage und Vertragsverhandlung: Bei positivem Gutachten. Die Konditionen werden in einer Förderungsvereinbarung festgehalten.
  7. Auszahlung: Tranchenweise nach Erreichen der definierten Meilensteine bzw. Vorlage von Quartalsberichten.

Häufige Fehler

  • F&E-Anteil zu klein dargestellt: Wer das Projekt rein wirtschaftlich begründet, fällt durch.
  • Vorhaben schon begonnen: Förderfähig sind nur Projekte, die nach der Antragsstellung beginnen. Wer schon angefangen hat, verliert die Förderung.
  • Eigenanteil nicht nachweisbar: Die FFG verlangt einen klaren Nachweis, dass die Eigenfinanzierung steht.
  • Verwertungsplan vergessen: Was passiert nach dem Projekt? Wer die Verwertung nicht beschreibt, wird kritisch geprüft.
  • Personalplan zu generisch: Die FFG will wissen, wer konkret die Forschung macht und welche Qualifikationen die Personen haben.

Häufige Fragen

Kann ich gleichzeitig FFG und aws beantragen?

Ja, es sind unterschiedliche Programme. Wichtig ist die saubere Trennung der geförderten Kostenpositionen, Doppelförderung ist ausgeschlossen. In der Praxis kombinieren viele Tech-Startups FFG Basisprogramm (für die F&E-Phase) mit aws Preseed (für die wirtschaftliche Validierung).

Muss ich an einer Universität forschen, um FFG-Förderung zu bekommen?

Nein. Das Basisprogramm fördert Unternehmens-F&E, nicht akademische Forschung. Universitäre Kooperationen sind möglich und oft wertvoll, aber kein Muss. Wer ein eigenes F&E-Team hat, kann ohne Universität einreichen.

Wie groß muss das Unternehmen sein?

Das Basisprogramm ist offen für alle Unternehmensgrößen, von der Einpersonen-GmbH bis zum Großkonzern. KMUs profitieren von höheren Förderquoten (KMU-Bonus). Startups in der Frühphase sind ausdrücklich eingeschlossen.

Was zählt als „Innovationsgrad"?

Die FFG bewertet drei Dimensionen: technische Neuheit, wissenschaftliche Qualität und Marktrelevanz. Eine inkrementelle Verbesserung eines bestehenden Produkts reicht nicht, es muss eine echte technologische Neuerung erkennbar sein. Ein neues UI-Design ist kein F&E, ein neues Datenkompressionsverfahren schon.

Wie hoch ist das zinsbegünstigte Darlehen?

Das Darlehen liegt typischerweise bei 1–3 Prozentpunkten unter dem Marktzinssatz, mit Laufzeiten zwischen 4 und 8 Jahren. Bei Projektfehlschlag kann das Darlehen unter bestimmten Bedingungen erlassen werden.

Brauche ich einen externen Berater für den Antrag?

Empfehlenswert, aber nicht zwingend. FFG-Berater (oft ehemalige FFG-Mitarbeiter) verlangen 5–10 % der Fördersumme als Erfolgshonorar. Für komplexere Anträge oder bei knappen Ressourcen kann sich das rechnen. Für einfache Anträge reicht oft die kostenlose Beratung der FFG selbst.

Quellen und weiterführende Information

Vertiefend bei basis08: